Use Case 01 „Bewohnerparkausweis beantragen“
Use-Case 01: Abruf von Nachweisdaten der Zulassungsbescheinigung I (ZB I) aus dem Zentralen Fahrzeugregister (ZFZR) beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) durch den Onlinedienst „Bewohnerparkausweis beantragen“
Das Projekt bindet zur Umsetzung des Once-Only-Prinzips den Onlinedienst „Bewohnerparkausweis beantragen“ über das Minimum Viable Product (MVP) des Nationalen Once-Only-Technical-Systems (NOOTS) an das ZFZR an. Dadurch sollen Bürger:innen bei der Beantragung eines Bewohnerparkausweises von der Pflicht entlastet werden, einen Nachweis mit Daten der Zulassungsbescheinigung I (ZB I) selbst beibringen zu müssen. Daten, die der öffentlichen Verwaltung bereits vorliegen, sollen nach dem Once-Only-Prinzip von der zuständigen Stelle selbst abgerufen werden. Die Bürger:innen entscheiden, ob der Nachweis aus dem Register abgerufen und von der Nachweisanfordernden Stelle verwendet werden darf. So herrschen Transparenz sowie eine Kontrollmöglichkeit zu den abgerufenen Daten.
Zielsetzung
Hauptziel des Projekts ist die Produktivsetzung des NOOTS-MVP, welches in der Verantwortung des Bundesverwaltungsamts (BVA) liegt, anhand eines bürgerinitiierten Use Cases. Das Projekt bindet den Onlinedienst „Bewohnerparkausweis beantragen“ einer baden-württembergischen Kommune (Korntal-Münchingen als Pilotkommune) über das NOOTS an das Zentrale Fahrzeugregister (ZFZR) an.
Dieses Ziel ist erfüllt, wenn aus dem Onlinedienst heraus Daten der ZB I für das Kfz der antragstellenden Person aus dem ZFZR abgerufen, als Preview (in der „Vorschau“) angezeigt, in den Antrag eingebunden und an das Fachverfahren der Pilotkommune weitergegeben werden können.
Weitere Ziele des Projekts sind es, ein umfassendes Feedback zum NOOTS-MVP zu geben und Ergebnisse zur Nachnutzung und ggf. Weiterentwicklung rechtlicher, technischer und organisatorischer Themen aufzubereiten.
Ergebnisse und Wirkung
Das Projekt hat nachgewiesen, dass mit dem NOOTS-MVP erfolgreich Nachweisabrufe mit Echtdaten abgerufen und zusammen mit dem Antrag an die antragbearbeitende Stelle in Korntal-Münchingen weitergeleitet werden können.
Zudem hat es für Nachweisanfordernde und Nachweisliefernde Stellen Konzeptions- und Umsetzungsergebnisse hervorgebracht, die von anderen Projekten zur Anbindung an das NOOTS genutzt werden können (z. B. Aufgabenplanung in Form eines Backlogs, Architekturskizzen, Spezifikation des Nachweistyps, Visualisierung von Datenflüssen, Festlegungen zu Protokollierung und Fehlermeldungen, Testfallspezifikationen).
Es wurde demonstriert, dass NOOTS-Anbindungen in weniger als einem Jahr umsetzbar sind.
Das Projekt hat auch Skalierungshemmnisse (z. B. rechtliche Klärungsbedarfe, Zertifikatshandling) identifiziert und andere bislang noch nicht gelöste Punkte (z. B. zu Sicherheit, Datenschutz und Tauglichkeit) gewonnen und aufbereitet, die vor einem Rollout des NOOTS ausgeräumt werden können. Die spezifischen Rollen der beteiligten Akteure in NOOTS-Anbindungsprojekten konnte das Projekt weiter differenzieren und schärfen, was gut für die Planung und Durchführung künftiger Anbindungsprojekte herangezogen werden kann.
Vorgehen und Umsetzung
Für die strategische Steuerung orientiert sich das Projekt am Vorgehensmodell für Erprobungsprojekte und geht in vier Phasen vor:
- Phase 1: Projektanbahnung
- Phase 2: Initialisierung
- Phase 3: Umsetzung und Entwicklung
- Phase 4: Test und Projektabschluss
In diesem Rahmen findet monatlich ein Statusgespräch mit den Projektpartnern statt. Die Ergebnisse des Statusgesprächs werden auf der Kollaborationsplattform „RegMo-Confluence“ dokumentiert.
Für die operative Steuerung hat das Projekt einen dreiwöchentlichen Sprintzyklus gewählt. Die Sprintplanung erfolgt für die Nachweisanfordernde und Nachweisliefernde Seite getrennt. Jeder Sprint startet mit einem Planning-Event und endet mit einem Review-Event. Für fachliche Abstimmungen wurden wöchentlich Refinement-Termine jeweils für die nachweisliefernde und die nachweisanfordernde Seite vorgesehen.
Grundlage der Aufgabenplanung im Projekt bildeten die Erkenntnisse aus einem vorangegangenen Erprobungsprojekt und dem dort entwickelten Backlog. Das Projekt verfolgt damit ein agiles, iteratives Vorgehen.
Das Projekt startete Anfang 2025 und wird in Q1 2026 enden.
Die Projektsteuerung erfolgt durch das Ministerium des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen Baden-Württemberg (IM BW), Referat 53.
Das IM BW, Referat 52 repräsentiert die nachweisanfordernde Seite für den Onlinedienst und die Onlinedienst-Plattform. Die kommunale Straßenverkehrsbehörde der Pilotkommune Korntal-Münchingen wurde als antragbearbeitende Stelle eingebunden. Das Kraftfahrbundesamt (KBA) repräsentiert als registerführende Stelle die nachweisliefernde Seite.
IM BW und KBA wurden von diversen Beratungs- und IT-Dienstleistern unterstützt (BearingPoint, EY, ]init[, Komm.ONE, msg, Seitenbau, Sopra Steria).
Die unterschiedlichen Projektpläne und Schwerpunkte von NOOTS-MVP-Umsetzung und Use Case führten zu Beginn zu Herausforderungen im gemeinsamen Verständnis, konnten aber zügig mittels unterschiedlicher Austauschformate ausgeräumt werden. Diese sind nun Vorbild in der Umsetzung vergleichbarer Projekte.
Lessons Learned
Erfolgsfaktoren
- Berücksichtigung der Interessen aller Projektstakeholder (IM BW, KBA, BVA, FITKO, Pilotkommune Korntal-Münchingen jeweils mit Dienstleistern)
- Vollständige Transparenz des Projekts (Projektdokumentation, Projektplanung, Projektfortschritt, Projektrisiken)
- Engagement, Kompetenz und der Wille zum Erfolg bei allen Projektpartnern
Menschen spielen im Projekt die entscheidende Rolle (siehe 3. Erfolgsfaktor). Prozesse und Technologie sind für die Schaffung von Transparenz im Projekt wesentlich, ebenso wichtig ist eine ausgewogene Anzahl von Vor-Ort-Terminen.
Anderen Organisationen ist zu empfehlen, die NOOTS-Anbindung entweder als Nachweisanfordernde oder als Nachweisliefernde Seite durchzuführen. Die Kombination von beidem war für das Use Case-Projekt zwar unumgänglich, aber auch mit vielen Abstimmungen verbunden. Skalierungsfähig ist dieses Vorgehen weniger, da es grundsätzlich herausfordernd ist, den optimal passenden Anwendungsfall zu finden. Es ist daher für den Rollout des NOOTS weniger geeignet.
Aus Sicht der Nachweisanfordernden Seite ist als Learning mitzugeben, dass eine Einbindung von Onlinedienst- und Fachverfahrenshersteller, Betriebsdienstleister und betroffenen Kommunen von Anfang an erfolgen sollte. Denn so wird ein echter Ende-zu-Ende-Prozess bei der Antragsbearbeitung erreicht.
Trotz konzeptioneller Vorarbeiten zu den NOOTS-Architekturdokumenten gab es zu Beginn des Projekts kein Anforderungsmanagement. Das Use-Case-Projektteam hat diesen offenen Punkt adressiert und gelöst: Es konnte die Anforderung umsetzen, Feedback aus dem Projekt zu geben und gleichzeitig die Verwertung nachvollziehen zu können. Die FITKO hat die Kritik aufgenommen und mit Arbeiten zu einem Anforderungsmanagement begonnen.
Stimme aus dem Projekt
„Mit dem bürgerinitiierten Use-Case konnte erneut bewiesen werden, wie wichtig Erprobungsprojekte für eine vollumfängliche technische Umsetzung und Weiterentwicklung sind, da mit ihnen „der Finger auf die Wunde gelegt wird“ und erkannte Probleme auch im nichttechnischen Bereich adressiert und weiter angegangen werden können.“ - Margarete Jagusch, IM BW, Ref. 53
Kontakt
Margarete Jagusch, Projektsteuerung, regmobw [at] im.bwl.de
Ove Paulsen, Projektleitung, RegMog-Projektgruppe [at] kba.de
Dr. Holger Schaefers, Programmleiter Portale, Identitäten und Infrastrukturen, Projektbüro ozg-hub [at] seitenbau.com