Skip to main content Skip to page footer

Die Umweltverwaltung als Vorreiter des Once-Only-Prinzips

Vom erfolgreichen Erprobungsprojekt zur produktiven Pilotierung: automatisierter Abruf von Zulassungsbescheinigungen (inkl. Zulassungsbereichen) im Herkunftsnachweisregister-Onlinedienst des Umweltbundesamtes.

Erprobungsprojekt  Umweltverwaltung

Relevanz

Herkunftsnachweisregister

Projekttyp

Erprobungsprojekt

Projekt abgeschlossen

06/2026

Das Erprobungsprojekt “Umwelt” und das Register der Deutschen Akkreditierungs- und Zulassungsgesellschaft für Umweltgutachter 
(DAU GmbH) haben den automatisierten Abruf von Zulassungsbescheinigungen (inkl. Zulassungsbereichen) über das Nationale Once-Only-Technical-System (NOOTS) erfolgreich erprobt und in den produktiven Betrieb überführt. Dabei übernimmt der Herkunftsnachweisregister-Onlinedienst des Umweltbundesamtes die Rolle der nachweisabrufenden Stelle beziehungsweise des Data Consumers. Das Register der DAU GmbH stellt als Data Provider die Informationen zu den Zulassungsbescheinigungen bereit. Umweltgutachter:innen können damit ihre Zulassungsbescheinigungen nicht mehr ausschließlich durch eigene Angaben oder Dokumente nachweisen. Stattdessen ist es möglich, die erforderlichen Informationen automatisiert aus dem Register der DAU GmbH abgerufen und im Onlinedienst des Umweltbundesamtes verwendet werden. Das Umweltbundesamt erhält dadurch eine verlässliche Grundlage für die Registrierung der Umweltgutachter:innen im Herkunftsnachweisregister.
Die Erprobung war so erfolgreich, dass die Entscheidung fiel, den Abruf der Zulassungsbescheinigungen in den produktiven Betrieb zu überführen. Damit wurde der technische und fachliche Erprobungsgegenstand an die NOOTS MVP-Produktivumgebung angebunden.

Ursprüngliches Ziel des Projektes war es, den Abruf der Zulassungsbescheinigungen zwischen dem Onlinedienst des Umweltbundesamtes und dem Register der DAU GmbH über das NOOTS unter realitätsnahen Bedingungen zu erproben. Hierzu wurden die fachlichen, rechtlichen, organisatorischen und technischen Voraussetzungen des Anwendungsfalls untersucht, konkretisiert und praktisch umgesetzt.
Durch die Entscheidung für die produktive Pilotierung erweiterte sich die Zielsetzung. Neben dem Nachweis der technischen Machbarkeit wurde pilotiert, wie sich der automatisierte Abruf der Zulassungsbescheinigungen im tatsächlichen Verwaltungsverfahren bewährt. Dazu gehören nicht nur der Datentransport, sondern auch Nutzerführung, fachliche Verarbeitung, Fehlerbehandlung, Support, Monitoring und der dauerhafte Betrieb der beteiligten Systeme.
Die Pilotierung im Onlinedienst des Umweltbundesamtes bildet damit den Übergang von der technischen Erprobung zu einem Ende-zu-Ende nutzbaren Verwaltungsprozess.
 

Projektlaufzeit

Das Projekt startete im September 2024 mit der Suche nach einem geeigneten Anwendungsfall im Umweltwesen und endete mit der Produktivsetzung im Onlinedienst des Umweltbundesamtes im Juni 2026.

Die ersten Schritte im Projekt

Als Anwendungsfall wurde der Abruf der Zulassungsbescheinigungen ausgewählt. Er eignete sich besonders für die Erprobung, weil die betreffenden Zulassungsbereiche bereits im Register der DAU GmbH geführt werden, im Registrierungsprozess für das Herkunftsnachweisregister aber bislang regelmäßig durch eigene Angaben bzw. durch Upload der Zulassungsurkunde und manuelle Prüfungen nachgewiesen werden müssen.

Die Projektbeteiligten

Geleitet wurde das Projekt durch das Bayerische Staatsministerium für Digitales im Auftrag des IT-Planungsrates, das unterstützt durch Dienstleister sowie weitere Partner die Umsetzung koordinierte.
Auf der Seite des Data Consumers (Onlinedienst des Umweltbundesamtes) begleiten das Umweltbundesamt als Fachaufsicht und seine Dienstleister als Software-Lieferanten das Projekt.
Auf der Seite des Data Providers (DAU GmbH) unterstützt die DAU GmbH als Fachaufsicht und ihr Dienstleister als Software-Lieferant das Projekt.
Im Rahmen des Projektes wurde außerdem die für das Thema fachlich zuständige Fachkommission Umwelt über das Vorhaben informiert.
 

Die Registermodernisierung ist weit mehr als nur Technik. Mit dem NOOTS stellen wir beim Umweltbundesamt die Weichen für den Bürokratieabbau und entlasten die Verwaltung im Vollzug.

Katja Merkel, Projektleitung Umweltbundesamt

Vorreiterrolle mit Praxisrelevanz

Das Erprobungsprojekt Umwelt ist eines der ersten Projekte und das Register der DAU GmbH, das erste IDNrG-Register im Umweltbereich, welches an das NOOTS angebunden wurde. Die Pilotierung im Onlinedienst des Umweltbundesamtes bildet den Übergang von der technischen Erprobung zu einem Ende-zu-Ende nutzbaren Verwaltungsprozess.

Meilensteine und nachnutzbare Erkenntnisse (Stand 06/2026)

  • Im Rahmen des Projektes wurden und werden fachliche und technische Konzepte der Registermodernisierung erprobt und die daraus gewonnenen Erkenntnisse mit der NOOTS-Umsetzungsorganisation gespiegelt. Darüber hinaus erfolgte die Identifizierung rechtlicher Anpassungsbedarfe und Vorbereitung ihrer Lösung.

  • Die Erfahrungen und Ergebnisse wurden so dokumentiert, dass sie von weiteren anschlusswilligen Onlinediensten, Registern und Fachverantwortlichen nachgenutzt werden können.

Der Nutzen entsteht dabei nicht allein durch den erfolgreichen Datenabruf. Entscheidend ist, dass die Daten künftig ohne zusätzliche Medienbrüche in den Onlinedienst des Umweltbundesamtes und die nachgelagerte Bearbeitung übernommen werden können. Erst dadurch können manuelle Prüfungen, Mehrfacheingaben und Rückfragen tatsächlich reduziert und die Registrierung der Umweltgutachter:innen im Herkunftsnachweisregister erleichtert werden.

  1. Überzeugte Stakeholder und eine definierte Governance sind erfolgsentscheidend

    Für die Sicherstellung des Projekterfolgs sind motivierte Stakeholder, die vom Nutzen überzeugt sind, entscheidend – in der Gewinnung und Überzeugung steckt viel Arbeit. Für den Onlinedienst des Umweltbundesamtes sind die Belange der nachnutzenden Behörden und für die DAU GmbH die Interessen der Umweltgutachter:innen zu berücksichtigen. Ein klarer Projektfahrplan mit definierten Rollen sind essentiell. Bei den sich stetig ändernden Rahmenbedingungen und Anforderungen ist dieser laufend anzupassen.

  2. Regelmäßige Kommunikation und Ambiguitätstoleranz sind wichtig

    Aufgrund des explorativen Charakters des Projektes müssen in hoher Taktung regelmäßige Abstimmungen mit den Projektbeteiligten stattfinden (fachliche und technische Austausche, Trialoge etc.). Kontinuierliches Erwartungsmanagement ist wichtig. Etablierte Austauschformate mit der NOOTS-Umsetzungsorganisation fördern ein gemeinsames Verständnis und klären frühzeitig Hindernisse und offene Punkte vor der flächendeckenden Nutzung des NOOTS.

  3. Technik löst keine Abstimmungsprozesse und fachrechtliche Anpassungen

    Die größten Hürden lagen nicht im technischen Anschluss, sondern in fachlichen und rechtlichen Fragen (z. B.: Welche Zulassungsbescheinigungen werden in welchen Konstellationen benötigt? Wie werden Umweltgutachter im unternehmerischen Kontext identifiziert?). Die Heterogenität der Umweltgutachter:innenlandschaft erwies sich ergänzend als besondere Herausforderung. Auch die Beschaffung notwendiger Zertifikate stellte das Register der DAU GmbH und die zu beteiligenden Stellen vor erschwerte Bedingungen und bedurfte neuer Lösungswege.

  4. Der Nutzen des NOOTS-Anschlusses entsteht erst Ende-zu-Ende

    Ein erfolgreicher Abruf der Zulassungsbescheinigungen allein verbessert noch keinen Verwaltungsprozess. Entscheidend ist, wie die abgerufenen Daten im Onlinedienst und im Fachverfahren genutzt, geprüft und weiterverarbeitet werden. Der gesamte Ablauf ist zu betrachten: von der Identifikation der nutzenden Person über den Abruf und die Anzeige der Daten bis zur Verarbeitung durch das Umweltbundesamt. Dazu gehören auch Nichttreffer, unvollständige Daten, technische Störungen und alternative Nachweiswege.

  5. Eine Anbindung an das NOOTS braucht Governance, Readiness und Betriebsklarheit

    Rollen und Zuständigkeiten müssen vor Beginn der Umsetzung verbindlich geklärt sein. Dies betrifft insbesondere die Fachaufsicht, die betreibenden und umsetzenden Stellen, Softwarelieferanten, die Datenschutz- und Informationssicherheitsverantwortlichen sowie die für Freigabe und Produktivsetzung zuständigen Personen. Neben Zuständigkeiten müssen auch Ressourcen, Kosten, Supportmodelle, Betriebszeiten, Eskalationswege und Entscheidungsbefugnisse festgelegt werden. Die Betriebs- und Produktionsreife ist kein einzelner technischer Meilenstein, sondern das Ergebnis einer gemeinsamen Bewertung von Fachlichkeit, Technik, Sicherheit und Betrieb.
     

Kontakt

Patrick Weinmann

Projektverantwortlicher der bayerischen Erprobungsprojekte | Bayerisches Staatsministerium für Digitales