Erprobungsprojekt Energiewesen
Herkunftsnachweisregister
Erprobungsprojekt
06/2026
Beschreibung
Das Erprobungsprojekt „Energiewesen” konnte mit dem Anwendungsfall „Registrierung von Energieanlagen im Herkunftsnachweisregister“ die Registrierung erneuerbarer Energieanlagen (Solar, Wind etc.) im Herkunftsnachweisregister (HKNR) mit dem automatisierten Datenabruf über das Nationale Once‑Only‑Technical‑System (NOOTS) aus dem Marktstammdatenregister (MaStR) erfolgreich erproben und in den Produktivbetrieb überführen.
Der Onlinedienst „Antrag zur Registrierung von Anlagen im HKNR“, welcher vom Umweltbundesamt verantwortet wird, fungiert hier als nachweisanfordernde Stelle (Data Consumer). Das MaStR der Bundesnetzagentur, welches die für die Registrierung erforderlichen Daten bereitstellt, ist die nachweisliefernde Stelle (Data Provider). Damit soll die bislang manuelle Antragsbefüllung durch den Anlagenbetreiber mithilfe des automatisierten Nachweisdatenabrufs aus dem MaStR vereinfacht und der gesamte Registrierungsprozess erleichtert werden.
Die erfolgreiche Erprobung führte dazu, dass der Abruf der Nachweisdaten in den Regelbetrieb überführt und sowohl die technische als auch die fachliche Komponente des Tests in die NOOTS‑MVP‑Produktivumgebung integriert wurde.
Zielsetzung
Ursprüngliches Ziel des Projektes war es, den Abruf der für die Registrierung von Energieanlagen notwendigen Nachweisdaten für den Onlinedienst des Umweltbundesamtes aus dem Marktstammdatenregister über das NOOTS unter realitätsnahen Bedingungen zu erproben. Hierzu wurden die fachlichen, rechtlichen, organisatorischen und technischen Voraussetzungen des Anwendungsfalls untersucht, konkretisiert und praktisch umgesetzt.
Durch die Entscheidung für die produktive Pilotierung erweiterte sich die Zielsetzung. Neben der technischen Machbarkeit ermittelte das Pilotprojekt, wie sich die automatisierte Befüllung des Registrierungsantrags im tatsächlichen Verwaltungsverfahren über das NOOTS bewährt. Dazu gehören nicht nur der Datentransport, sondern auch Nutzerführung, fachliche Verarbeitung, Fehlerbehandlung, Support, Monitoring und der dauerhafte Betrieb der beteiligten Systeme.
Die Pilotierung im Onlinedienst des Umweltbundesamtes bildet damit den Übergang von der technischen Erprobung zu einem Ende-zu-Ende nutzbaren Verwaltungsprozess.
Vorgehen und Umsetzung
Projektlaufzeit
Das Projekt startete im Mai 2024 mit der Suche nach einem geeigneten Anwendungsfall im Bereich Energiewesen und endete mit der Produktivsetzung im Onlinedienst des Umweltbundesamtes im Juni 2026.
Die ersten Schritte im Projekt
Als Anwendungsfall wurde die Registrierung von Energieanlagen gewählt. Dieser Use Case eignete sich besonders für die Erprobung, weil die relevanten Stammdaten bereits im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur hinterlegt sind. Im bisherigen Registrierungsprozess für das Herkunftsnachweisregister müssen Anlagenbetreiber ihre Angaben noch manuell eingeben und anschließend durch manuelle Prüfungen verifizieren lassen. Durch den automatisierten Abruf der Daten aus dem MaStR kann dieser Aufwand erheblich reduziert werden.
Die Projektbeteiligten
Das Projekt wurde vom Bayerischen Staatsministerium für Digitales im Auftrag des IT‑Planungsrates geleitet. Die Umsetzung koordinierte das Ministerium gemeinsam mit externen Dienstleistern und weiteren Partnern. Auf der Seite des Data Consumers, dem Onlinedienst des Umweltbundesamtes, übernehmen das Umweltbundesamt als Fachaufsicht und seine beauftragten Dienstleister als Software-Lieferanten die Begleitung des Vorhabens. Auf der Seite des Data Providers, dem Marktstammdatenregister (MaStR) der Bundesnetzagentur, fungiert die Bundesnetzagentur als Fachaufsicht, während ihr Dienstleister die Rolle des Software-Lieferanten einnimmt.
Vom theoretischen Konzept ohne technische Basis bis zum erfolgreichen Ende-zu-Ende-Datenaustausch war es eine intensive Reise – und das in nur anderthalb Jahren! Die hervorragende Kommunikation, Motivation und das zielgerichtete Arbeiten aller Beteiligten waren entscheidende Erfolgsfaktoren. Nun freuen wir uns, dass das NOOTS weitere Verbreitung findet und unser Nachweisangebot sein volles Potenzial entfalten kann.
Ergebnisse und Wirkung
Vorreiterrolle mit Praxisrelevanz
Das Erprobungsprojekt Energie war eines der ersten Projekte, welches den produktiven Nachweisdatenabruf über das NOOTS erprobt hat. Die Pilotierung im Onlinedienst des Umweltbundesamtes stellte den Übergang von der technischen Erprobung zu einem Ende-zu-Ende nutzbaren Verwaltungsprozess dar.
Meilensteine und nachnutzbare Erkenntnisse (Stand 06/2026)
Im Rahmen des Projektes wurden und werden fachliche und technische Konzepte der Registermodernisierung erprobt und die daraus gewonnenen Erkenntnisse mit der NOOTS-Umsetzungsorganisation gespiegelt. Darüber hinaus wurden rechtliche Anpassungsbedarfe identifiziert und ihre Lösung vorbereitet.
Die Erfahrungen und Ergebnisse wurden so dokumentiert, dass sie von weiteren anschlusswilligen Onlinediensten, Registern und Fachverantwortlichen nachgenutzt werden können.
Der Nutzen entstand dabei nicht allein durch den erfolgreichen Datenabruf. Entscheidend war, dass die Daten künftig ohne zusätzliche Medienbrüche in den Onlinedienst des Umweltbundesamtes und die nachgelagerte Bearbeitung übernommen werden konnten. Erst dadurch können manuelle Prüfungen, Mehrfacheingaben und Rückfragen tatsächlich reduziert und die Registrierung der Energieanlagen im Herkunftsnachweisregister erleichtert werden.
Lessons Learned
Überzeugte Stakeholder und eine definierte Governance sind erfolgsentscheidend
Für die Sicherstellung des Projekterfolgs sind motivierte Stakeholder, die vom Nutzen überzeugt sind, entscheidend – in der Gewinnung und Überzeugung steckt viel Arbeit. Für den Onlinedienst des Umweltbundesamtes sind die Belange der nachnutzenden Behörden zu berücksichtigen. Ein klarer Projektfahrplan mit definierten Rollen ist essentiell. Bei den sich stetig ändernden Rahmenbedingungen und Anforderungen ist dieser laufend anzupassen.Regelmäßige Kommunikation und Ambiguitätstoleranz sind wichtig
Aufgrund des explorativen Charakters des Projektes müssen in hoher Taktung regelmäßige Abstimmungen mit den Projektbeteiligten stattfinden (fachliche und technische Austausche, Trialoge etc.). Kontinuierliches Erwartungsmanagement ist wichtig. Etablierte Austauschformate mit der NOOTS-Umsetzungsorganisation fördern ein gemeinsames Verständnis und klären frühzeitig Hindernisse und offene Punkte vor der flächendeckenden Nutzung von NOOTS.Technik löst keine Abstimmungsprozesse und fachrechtliche Anpassungen
Die größten Hürden lagen nicht im technischen Anschluss, sondern in fachlichen und rechtlichen Fragen (z. B.: Sieht das Fachrecht eine Rechtsgrundlage für die automatisierte Nachweisdatenübermittlung? / Ist für die Umsetzung des NOOTS-Staatsvertrags eine fachgesetzliche Änderung notwendig?) Die Heterogenität der potenziell betroffenen Rechtsgrundlagen sowie der Umfang der geführten Datenfeldern im Marktstammdatenregister erwies sich als ergänzende Herausforderung. Darüber hinaus stellte die Beschaffung notwendiger Zertifikate sowohl DC als auch DP vor erschwerte Bedingungen und bedurfte innovativer Lösungswege.Der Nutzen des NOOTS-Anschlusses entsteht erst Ende-zu-Ende
Ein erfolgreicher Abruf der Zulassungsbescheinigungen allein verbessert noch keinen Verwaltungsprozess. Entscheidend ist, wie die abgerufenen Daten im Onlinedienst und im Fachverfahren genutzt, geprüft und weiterverarbeitet werden. Der gesamte Ablauf ist zu betrachten: von der Identifikation der nutzenden Person über den Abruf und die Anzeige der Daten bis zur Verarbeitung durch das Umweltbundesamt. Dazu gehören auch Nichttreffer, unvollständige Daten, technische Störungen und alternative Nachweiswege.Eine Anbindung an das NOOTS braucht Governance, Readiness und Betriebsklarheit
Rollen und Zuständigkeiten müssen vor Beginn der Umsetzung verbindlich geklärt sein. Dies betrifft insbesondere die Fachaufsicht, die betreibenden und umsetzenden Stellen, Softwarelieferanten, die Datenschutz- und Informationssicherheitsverantwortlichen sowie die für Freigabe und Produktivsetzung zuständigen Personen. Neben Zuständigkeiten müssen auch Ressourcen, Kosten, Supportmodelle, Betriebszeiten, Eskalationswege und Entscheidungsbefugnisse festgelegt werden. Die Betriebs- und Produktionsreife ist kein einzelner technischer Meilenstein, sondern das Ergebnis einer gemeinsamen Bewertung von Fachlichkeit, Technik, Sicherheit und Betrieb.